Es gibt ein ganzes Bündel an Maßnahmen, mit denen sich gute Raumluft im Einzelhandel auch an heißen Tagen sicherstellen lässt. Von Sonnenschutz über die Reduzierung interner Wärmequellen bis zu Klimatisierung und Lüftung: Hier die Top-Tipps vom Experten.
Im Einzelhandel ist ein angenehmes Raumklima im Sommer entscheidend, um Kundinnen und Kunden bei Kauflaune zu halten und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden beziehungsweise je nach Sortiment auch die Ware zu schützen. Durch gestiegene Außentemperaturen im Zuge des Klimawandels nehmen die Anforderungen an die Klimatisierung der Verkaufsflächen zu. Sebastian Felixberger, Projektmanager Consulting bei der Berliner Energie-Agentur, führt regelmäßig Beratungen und Effizienzchecks im Handel durch. Im Hinblick auf Hitzeschutz empfiehlt er das folgende strukturierte Vorgehen:
Im Idealfall kommt Hitze gar nicht erst im Geschäft an. Zum Spektrum der Präventivmaßnahmen gehören:
Im nächsten Schritt sollten sich Einzelhändler mit den internen Wärmequellen beschäftigen und je nach Bedarf und Budget:
Sebastian Felixberger, Projektmanager Consulting bei der Berliner Energie-Agentur: „Es gibt viele wirkungsvolle und auch leicht umzusetzende Hitzeschutz-Maßnahmen für den Einzelhandel.“
Kühlend wirken raumklimatisch wirksame Innenputze und Farben, Mooswände und/oder Wasserspiele. Ideal, wenn Nachtlüftungsklappen in das Gebäudedesign integriert sind. Denn dann kann Hitze, die tagsüber durch Wände, Decken und Gebäudeeinrichtung gespeichert wurde, nachts wieder entweichen. Und dass einbruchsicherer als es bei nächtlicher Fensteröffnung der Fall wäre.
Ist es trotz aller geschilderten Maßnahmen im Sommer auf den Flächen zu warm, stellt sich die Frage nach einem Klimatisierungssystem. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Faustformel: Für einen Quadratmeter Verkaufsfläche werden – je nach Sonneneinstrahlung, Dämmung und inneren Wärmequellen – rund 60 bis 100 Watt Kühlleistung benötigt. Für die Klimatisierung eines 100 qm großen Raumes ist demnach eine circa 6 bis 10 kW starke Anlage erforderlich.
Monoblock- und Split-Klimageräte kühlen allerdings „nur“ die im Raum vorhandene Luft, sie sorgen für keinen Luftaustausch. Das übernehmen raumlufttechnische Anlagen, sog. RLT-Anlagen. Mehr Informationen dazu, wann diese empfehlenswert oder sogar vorgeschrieben sind und wie sie sich effizient betreiben lassen, finden Sie in unserem Beitrag „Einzelhandelsgeschäfte richtig heizen und lüften – die Top-Tipps vom Experten“. Auch die hier zu findenden Lüftungs-Empfehlungen sind lesenswert.
Übrigens: Sebastian Felixberger hält viele Einzelhandelsgeschäfte für überklimatisiert und empfindet an diesen Orten in den Sommermonaten nicht Wärme als das Problem, sondern Kühle. „Man muss nicht auf 18° C herunterkühlen, wenn es draußen 35° C sind“, lautet die persönliche Meinung des Fachmanns. Er rät Einzelhändlern dazu, sich an Wohlfühltemperaturen für Kundschaft und Team heranzutasten sowie immer auch Energieeffizienz und Klimaschutz im Blick zu behalten. Denn: Laut EHI-Studie „Energiemanagement im Einzelhandel 2025“ gehen im Lebensmittelbereich durchschnittlich neun Prozent des Stromverbrauchs auf das Konto von Klimatisierung und Lüftung, im Non-Food-Bereich sogar 29 Prozent.