Einzelhandelsgeschäfte richtig heizen und lüften – die Top-Tipps vom Experten

Was Putzen mit Energiesparen zu tun hat? Mehr als man denkt. Der folgende Beitrag mit Fokus auf kleinere Einzelhandelsgeschäfte zeigt: Es gibt eine ganze Reihe einfacher Maßnahmen, um Energieeffizienz und gutes Raumklima in Einklang zu bringen.

Sebastian Felixberger, Projektmanager Consulting bei der Berliner Energie-Agentur, führt regelmäßig Effizienzchecks im Handel durch. Etwas, das ihm quer durch das breite Branchenspektrum vom Schuh- und Büchergeschäft bis zum Späti in den Ladenlokalen immer wieder auffällt, sind stark verstaubte beziehungsweise verschmutzte Heizkörper. Ein echtes energetisches Problem, denn: „Staub wirkt wie eine Isolationsschicht, die den Wärmeübergang von der Heizkörperoberfläche an die Raumluft sowie die Luftzirkulation behindert. Aufgrund ihrer Konstruktionsweise zählen Insbesondere Lamellenheizkörper zu den Staubfängern. Um die Energiebilanz zu verbessern, sollten sie daher vor Beginn der Heizperiode gereinigt werden.“

Das Beispiel verdeutlicht: Es gibt Effizienztipps rund ums Heizen, die mit geringem Aufwand umzusetzen sind.

Heizkosten senken – Maßnahmen mit geringem Aufwand


  • Temperatur-Absenkung in der Nacht bzw. abseits der Öffnungszeiten: „Ein wirksamer und kostenloser Hebel, um Heizenergie einzusparen, ist die Steuerung der Heizung – sofern Händler Zugriff darauf haben“, macht Sebastian Felixberger aufmerksam. Grundsätzlich gilt: „Die Temperatur im Verkaufsraum sollte 19 bis 20 Grad Celsius nicht übersteigen“, so der Experte. „Davon ausgehend sollte die Heiztemperatur nachts und außerhalb der Öffnungszeiten um drei bis vier Grad abgesenkt werden. Damit lassen sich bis zu 15 Prozent Heizenergie ohne Komfortverlust einsparen.“ Aber Achtung: „Die Ladenlokale sollten auch nicht zu stark auskühlen, denn dann steigt zum einen das Schimmel-Risiko, zum anderen wird zu viel Energie zum erneuten Hochheizen benötigt. Unter 16 Grad sollte die Raumtemperatur nicht sinken.“ Wie relevant die Nachtabsenkung ist, ist von den Gegebenheiten abhängig. Bei topmodernen Neubauten ist sie weniger entscheidend als im ungedämmten Altbau. Auch das Heizverteilsystem hat Einfluss: „Fußbodenheizungen reagieren träger – das muss bei der zeitlichen Steuerung mitbedacht werden.“


    Besonders effizient in puncto Steuerung sind smarte, also digitale Heizkörperthermostate, die sogar das Öffnen von Fenstern erkennen. Mit ihnen lassen sich Heizzeiten programmieren und Räume unabhängig voneinander steuern.

Sebastian Felixberger, Projektmanager Consulting bei der Berliner Energie-Agentur: „Über die Absenkung der Heiztemperatur während der Schließzeiten lassen sich bis zu 15 Prozent Heizenergie einsparen – und das ohne Komfortverlust.“

  • Wärmeplan aufstellen: Welcher Raum benötigt welche Temperatur? Im Regelfall kann das Lager niedriger beheizt werden als der Kassen- oder Umkleidekabinenbereich. Differenzierung spart Energie und bares Geld.
  • Heizkörpern Raum lassen: „Oftmals sind Heizkörper zugestellt oder stark verbaut“, bemerkt Sebastian Felixberger. „Das aber sollte im Winter, wenn möglich, vermieden werden, da die Raumluft frei um die Heizkörper zirkulieren muss, damit die Wärme optimal abgegeben werden kann. Auch die Strahlungswärme bleibt ungenutzt, wenn das davorstehende Sofa oder Präsentations-Rückwände angestrahlt werden.“
  • Heizkörper entlüften: Am besten vor Beginn jeder Heizperiode die Luft im Heizungssystem ablassen, damit die Heizungen ihre volle Wirkung entfalten können.
  • Heizungsanlage regelmäßig vom Profi warten lassen (sofern dies nicht Sache des Vermieters ist).
  • Dichtungen an Türen sowie Fenstern checken und ggf. austauschen: Sebastian Felixberger und Team haben bei ihren Effizienzchecks immer Dichtungen im Gepäck. Denn: „Undichte Türen und Fenster führen zu kontinuierlichen Wärmeverlusten. Daher sollten speziell bei älteren Türen und Fenstern poröse Dichtungen ausgetauscht beziehungsweise bei fehlenden Dichtungen erstmals entsprechende Dichtungsbänder eingesetzt werden.“ Das Thema Fenster und Türen leitet zum Lüften über.
Nachhaltig gutes Raumklima – worauf es beim Lüften ankommt


  • Lüftungsplan erstellen und Team schulen: Frischluft, ausreichend Sauerstoff und eine angenehme Temperatur sind das A&O für ein gutes und gesundes Raumklima. Sofern der Store über keine Raumluftanlage (RLA) verfügt, also manuell gelüftet werden muss, sollten ein Plan erstellt und die Mitarbeitenden geschult werden, wie und wann zu lüften ist, so Sebastian Felixberger.


    Empfohlen wird Stoßlüften alle drei Stunden, am besten in Form der Querlüftung von Fenster zu Fenster. Doch wie kann das während der Öffnungszeiten gelingen, zumal die Schaufenster meist gar nicht für eine Öffnung in Frage kommen? „Die Ladentür ist ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt“, sagt der Projektmanager Consulting der Berliner Energie-Agentur. „Bei hoher Frequenz kann der Luftaustausch über die sich regelmäßig öffnende Tür mitunter schon reichen. Für die Querlüftung eignen sich häufig Bürofenster o.ä.“ Da Temperatur und Luftfeuchtigkeit je nach Wetterlage variieren, ist im Sommer eine längere Lüftungszeit erforderlich als im Winter, wo zwei bis drei Minuten bereits genügen.


    Sollte beim Lüften die Heizung heruntergedreht werden? „Nur, wenn es praktikabel und mit schnellem Griff möglich ist“, zeigt sich Sebastian Felixberger pragmatisch. Was aber nicht sein sollte und er häufiger erlebt: „dass beispielsweise in WC-Räumen die Heizung läuft, während gleichzeitig das Fenster dauerhaft auf Kipp steht“.

  • Sensoren einsetzen: Es gibt Normen zu Luftwechselraten und dem CO2-Gehalt der Luft, deren Einhaltung in der Praxis aber quasi nicht überwacht wird. Ohne Sensoren (es gibt Kombinationsprodukte für CO2, Mischgase, Luftfeuchte und Temperatur), wird oft zu spät und dann zu viel gelüftet, sagen Experten. In der Heizsaison kann trockene Raumluft problematisch werden. Hier hilft ein Behälter mit Wasser auf oder an der Heizung (gibt es im Fachhandel). Die optimale Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 40 und 60 Prozent relativer Feuchte.
  • Lüftungsanlagen warten und passgenau einstellen: Das gilt für RLA genauso wie zuvor beschrieben für Heizungen. Händler, die ein Ladenlokal mit bestehender RLA beziehen, sollten prüfen (lassen): Brauchen wir die Anlage überhaupt? Und wenn ja: „Auch die Einstellungen des Vormieters müssen für den eigenen Bedarf nicht unbedingt die richtigen sein“, so die Erfahrung von Sebastian Felixberger. Er rät, sich die Wartungsprotokolle aushändigen zu lassen und mit Experten ins Gespräch zu gehen, um die Systeme bedarfsgerecht nach Jahres- und Tageszeit zu steuern.

In diesem Sinne: adieu dicke Luft und Schluss damit, aus dem Fenster zu heizen!

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